Montag, 21. September 2015

Augen auf, Ohren auf. Bitte! {#refugeeswelcome}

Ich hatte ein wirklich tolles Wochenende! Eigentlich. Oder besser gesagt, bis gestern Abend um 22 Uhr. Aber von vorne.

Am Freitag hatten Herr Pfau und ich endlich mal wieder ein Date und waren, gemeinsam mit einigen Freunden, im Gloria beim Konzert von Umse.

Dazu man man wissen, dass ich mit dem wandelnden Hip Hop Lexikon verheiratet bin, ich dagegen aber auf Gitarre und Schlagzeug statt auf Kopfnicken stehe.

Diese Tatsache fordert konzerttechnisch von einem von uns immer einige Kompromisse. Dieses Mal war ich an der Reihe, aber ich muss zugeben, dass der Abend trotzdem super war und sogar mir das Konzert gut gefallen hat. Liegt aber vielleicht auch daran, dass der nette Herr Umbeck einfach 'n super Typ ist, der seine Mutter mit zum Konzert bringt und kein "Yo, Yo, Yo, Motherf... Gangsta Rapper" - wenn ihr wisst, was ich meine.

Ein von Frollein Pfau | Vanessa (@frollein_pfau) gepostetes Foto am



Am nächsten Tag fuhr ich mit dem Mini Pfau und meiner Freundin Maria nach Nippes, wo wir bei unserer Freundin Sarah ein Kaffeeklatschdate hatten. Ach, schön war's Und lecker! (...und von der tollen Wohnung gibt's nächsten Mittwoch mehr).


Ein von Frollein Pfau | Vanessa (@frollein_pfau) gepostetes Foto am

Gestern habe ich dann mein schwarzgelbes Outfit aus dem Schrank geholt, denn es ging, gemeinsam mit einem Freund, in meine Lieblingsstadt im Ruhrpott! Genauer gesagt, ins Westfalenstadion in den Signal Iduna Park nach Dortmund. Echte Liebe eben!

Ein von Frollein Pfau | Vanessa (@frollein_pfau) gepostetes Foto am


Trotz Zugverspätung schafften wir es gerade noch rechtzeitig zum Anpfiff auf unsere Plätze und bekamen den perfekten Fußballtag geschenkt: gutes Wetter, warme Temperaturen (gut, dass ich die ganze Zeit 2 Jacken mit mir rumschleppte), leckeres Bierchen und - das Allerwichtigste - 3 Tore und 3 Punkte! Besser ging's nicht.

Nach dem Abpfiff machten wir uns auf dem Heimweg und landeten irgendwann im Regionalzug nach Köln. 
Ab Düsseldorf Flughafen war ich leider alleine (ja, besagter Freund wohnt doch tatsächlich in der verbotenen Stadt, aber ich mag ihn trotzdem noch), wobei natürlich noch jede Menge andere Zuggäste im Wagon saßen. 

Am Düsseldorfer Hauptbahnhof stieg dann ein Herr Anfang/Mitte Vierzig "mit Migrationshintergrund" ein und setze sich auf einen der 4er-Sitze schräg links vor mir. Im Gang vor ihm stand eine Clique von 4 Jungs Mitte/Ende 20, Studenten aus Köln. Also gut gebildete junge Typen, von denen der "Anführer" während des Spiels in Dortmund aber anscheinend zuviel getrunken hatte. Dennoch konnte er sich sehr gut ausdrücken und hatte sich köperlich ebenfalls im Griff. Seine Aussagen hingegen gar nicht.

Nachdem ich mir 5 Minuten seine provozierende Art und ausländerfeindlichen Sprüche besagtem ausländischen Mitbürger gegenüber angehört hatte, konnte ich nicht mehr an mich halten und hab ihm zugerufen, dass es nun reicht und er doch bitte einfach seinen Mund halten soll. Das interessierte ihn natürlich nicht. Seine "Freunde", die anscheinend regelrecht Angst vor ihm hatten, allerdings auch nicht - ebensowenig, wie die anderen Fahrgäste...und das waren einige.

Weitere 5 Minuten später wurde es noch schlimmer, auch wenn der Typ sich nur verbal äußerte und in keiner Weise handgreiflich o.ä. wurde. Trotzdem wurden die Spitzen & Sprüche immer konkreter und hassvoller. 

Ich muss zugeben, dass ich in solchen Momenten einfach nicht an mich halten kann. Also bin ich aufgestanden und habe mich zu dem ausländischen Herrn gesetzt und dem Pöbeler gesagt, dass er jetzt endlich seinen Mund halten und bitte aus dem Gang verschwinden soll. Logischerweise bekam ich dann diverse verbale Attacken von ihm zu hören, aber das war mir wirklich egal. Was mir dagegen gar nicht egal war, war die Tatsache, dass NIEMAND im gesamten Großraumabteil seinen Mund aufmachte und genau das habe ich auch lautstark den anderen Passagieren mitgeteilt. Daraufhin kam endlich etwas Regung in die Menschen und zwei weitere Personen schritten ein.

Gleichzeitig sagte ich einem der "Freunde" des Unruhestifters, dass ich es einfach nicht fassen kann, dass er oder seine anderen Begleiter nichts sagen und tun! Was sind denn das bitte für Freunde?! Er zuckte nur entschuldigend mit den Schlutern und meine "Was soll ich denn da machen?". Na ja, auf jeden Fall nicht den Schwanz einziehen! Und sich auch ganz bestimmt nicht von einem intelligenten und gebildeten Vollpfosten unterbuttern lassen!

Zum Glück stiegen die Jungs an der nächsten Haltestelle aus. 

Ich muss zugeben, dass mein Puls anschließend wahnsinnig hoch war. Nicht vor Angst vor dem Typen, sondern vor Wut. 
Einerseits, weil ich nicht glauben konnte, WAS dieser wirklich gebildete junge Typ da für unfassbar dumme, beleidigende und verletzende Äußerungen von sich gab, andererseits, weil ich es partout nicht fassen konnte, das keiner, wirklich NIEMAND, im gesamten Abteil eingeschritten und Partei ergriffen hat. Das macht mir Angst! Große Angst! Zu sehen, dass es ganz schnell geht, dass Leute die Augen und Ohren verschließen - obwohl sie in der Mehrzahl sind, dass Fremdenfeindlichkeit aufgrund der aktuellen Ereignisse wieder zunimmt, dass sich völlig korrekt verhaltende ausländischer Personen so offen angefeindet werden. Ja, das macht mir Angst. Wo soll das hinführen?

Bitte, schaut doch hin und nicht weg!

18 Kommentare

  1. 1) Du warst hier und hast nichts gesagt ;)?! 2) Gut gemacht! Vorbild sein, ist das Beste, was man in so einer Situation machen kann. Innerlich warte ich schon seit Wochen darauf, dass mir etwas ähnliches passiert, aber offenbar bin ich in den falschen (oder auch richtigen) Bahnen unterwegs. Oder aber die Dortmunder sind doch nicht so schlecht wie ihr Ruf...

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  2. 👍👍👍ich gehöre auch zu denen die in solchen Situationen den Mund nicht halten können und wollen.

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  3. Sehr gut, liebe Vanessa und ausgesprochen mutig! Das die anderen Fahrgäste dies schlichtweg ignorieren und Dir keiner zur Seite steht, macht mich fassungslos. Du kannst jedenfalls stolz auf Dich sein!
    Liebe Grüße,
    Sabine

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  4. Liebe Vanessa,

    Enttäuschend, dass du nicht wenigstens spontane Unterstützung bekommen hast von den Mitreisenden, nachdem du schon den ersten Schritt getan hast!!! Wir sollten einfach alle so handeln wie du und vielleicht wacht der Rest dann auch mal auf. Hoffentlich machen sie sich jetzt wenigstens Vorwürfe.

    Lg, Maike

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  5. Liebe Vanessa,

    ich finde es sehr mutig und toll, dass du in dem Moment reagiert hast und nicht wie die Mehrheit der anderen Fahrgäste einfach nichts getan hast – sei es aus Feigheit oder sonst was! Aber so ein Nichts-Tun-Verhalten ist einfach nicht zu entschuldigen.
    Immer, wenn ich solche Texte, wie deine – so mitten aus dem Leben (und nicht das, was die Medien uns nur zeigen) lese, dann merke ich richtig, wie die Wut in mir aufsteigt, weil ich so ein Verhalten einfach nicht nachvollziehen kann...
    Man kann nur an die Vernunft der Menschen appellieren und darauf hoffen, dass sich der Schalter bei denen demnächst/so schnell wie möglich umlegt.
    Alle sollten sich ein Beispiel an dir nehmen – ich ziehe meinen Hut vor dir!

    Hab noch eine schöne Woche und liebste Grüße,
    Rosy

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  6. Du warst ein gutes Vorbild, liebe Vanessa!
    Ganz bestimmt, und daran mag ich jetzt ganz fest glauben, hat das den Einen oder Anderen zum Nachdenken angeregt, der dabei war!
    So etwas kann und darf NICHT spurlos an einem vorbei gehen!!!

    Liebste Grüße!
    Julia

    PS: Ich war am Donnerstag im Stadion. Zum ersten Mal mit dem großen Mini... :)
    Und wo waren wir beim Siegtreffer vom BVB??? Auf dem Klo... ;))) *heul

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  7. Ein ganz großes Dankeschön an dich, liebe Vanessa!
    Genau diese Art von Courage fehlt oftmals. Und ich finde es wunderbar, dass du uns alles Vorbild bist!
    Nochmals: DANKE (ich kann es nicht oft genug sagen DANKE).

    Greetings & Love & a good start in the new week
    Ines
    Blog: www.eclectichamilton.de
    Shop: www.eclectic-kleinod.de

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  8. Puh Vanessa,
    so viel Mut den ersten Schritt zu machen hätte ich wohl wahrlich nicht gehabt. Solche wie dich, brauchen wir, die was wagen! Aber ohne Unterstützung kommt man da dann auch nicht viel weiter und ich kann deinen "Frust" verstehen! Wenn du mal in meiner Nähe den ersten Schritt machst, mach ich mit dir den zweiten ;) Danke :)

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  9. Wow, MUTIG! Also ich muß zugeben, ich bin nicht sicher, ob ich den 1. Schritt gewagt hätte. Aber hätte ich mich auf jeden Fall dazugestellt! Was für Idioten überall rumlaufen, das ist echt zum Angst kriegen!
    Danke für Deine Courag und liebe Grüße aus der Tabellenführer-Stadt ;-) Yvette

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  10. Beide Daumen hoch- und bitte mutig bleiben!

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  11. Respekt, du kannst wirklich stolz auf dich sein!

    Ich finde es toll, dass du ohne Unterstützung der zahlreichen "Wegschauenden" so viel Courage gezeigt hast! Danke!!

    Syl

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  12. Das nenn ich Zivilcourage! Hut ab vor so einer Haltung! Gäbe es nur mehr wie Dich!

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  13. Ich wurde in der Bahn von einem Typen attackiert und KEINER hat irgendwas gemacht also kann ich sehr gut nachvollziehen wie du dich gefühlt hast! Gut gemacht!
    Angelina :)

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  14. Alle Daumen ganz weit hoch für Dich!!! :-* :-* :-*
    Unfassbar, dass alle anderen ihre Ärsche (Sorry!!! :-P) ganz offensichtlich an diesem (und ganz sicher auch an allen anderen Tage einer jeden Woche!) Tag zuhause gelassen haben! *grrrr* Es geht mir sowas von gar nicht in den Kopf, dass man in dieser Welt tatsächlich Angst voreinander haben muss. Und das in den allerallermeisten Fällen garantiert total unbegründet!!
    Ich sag ja, schaffen wir das Geld ab und schenken uns nur noch Liebe Liebe Liebe!!! <3 <3 <3 :-P

    Dicken Drücker für Deinen Einsatz!! :-* :-* :-*

    Ganz liebe Grüße!
    Sanni (c:

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  15. Leider bin ich auch meistens die einzige, die in solchen Situationen den Mund aufmacht und aktiv wird, während alle anderen sich bemühen so zu tun, als wären sie unsichtbar. Das macht auch mich rasend wütend - mindestens ebenso sehr auf die Wegschauer als auf die Angreifer. Schweigen heißt zustimmen. :-(
    Mit Gruß - Katja

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  16. Hut ab, liebe Vanessa! Wir brauchen definitiv mehr Leute wie Du! Es ist schon schlimm, wenn die anderen Fahrgäste wegschauen, wenn ein Mann - egal welcher Herkunft - angepöbelt wird, aber wenn keiner was sagt oder hilft, wenn eine Frau dazu kommt und den Mut hat, sich einzumischen, finde ich noch schlimmer. Gut, dass Dir nichts passiert ist! LG Ioana

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  17. Liebe Vanessa,
    ich finde es sehr sehr mutig von Dir, dass Du trotz nicht vorhandener Unterstützung Deine Meinung gesagt und den Mann verteidigt hast.....Hut ab !
    Was ich allerdings auch überhaupt nicht verstehen kann ist, dass wirklich niemand Dich unterstützt hat, geht gar nicht, was sind denn das alles für Leute ???
    Schlimm ist ja, dass man wirklich mittlerweile Angst haben muss, wenn man jemanden verteidigt gegen diesen Dumm-Pöbel und man froh sein muss, wenn einem selbst nichts passiert und dann noch als Frau......
    Wirklich sehr mutig !!!
    Dafür bewundere ich Dich....gut, dass die Idioten dann ausgestiegen sind und nichts weiter passiert ist.....
    hier in Südhessen ( Offenbach...bei uns um die Ecke ) endete das ja schon bitterböse - so traurig !!!
    ganz liebe Grüße
    Nane

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