Montag, 15. April 2013

Muggaseggele

Liebe Schwaben und Schwäbinnen, soviel vorab: ich hoffe, ihr verzeiht mir mein heutiges Post.

Das Wochenende verbrachte Familie Pfau nämlich im Ländle, genauer gesagt in Stuttgart. Dazu muss man wissen, dass Stuttgart "ein dunkles Kapitel" in meinem Wohnortlebenslauf ist. Denn als ich Herrn Pfau kennenlernte, lebte dieser in Stuttgart (nein, er ist kein gebürtiger Schwabe) und ich in Köln. 
Somit stand irgendwann ein Umzug an und aufgrund diverser Begebenheiten zog ich erst einmal nach Stuggi. War auch (noch) nicht schlimm, da wir 4 Wochen später erst einmal nach Australien flogen (übrigens das absolute Highlight meines Wohnortlebenslaufes).

Nach 3,5 Monaten Reisen ging's zurück ins Ländle und die Kurzfassung ist: Stuttgart und ich wurden keine Freunde! Zu meiner Verteidigung muss man vielleicht auch sagen, dass sogar Herr Pfau - der selbst 11 Jahre im Ländle gelebt hat - der Auffassung war, dass ich dort soviel Negatives angezogen und erlebt habe, wie er in all den Jahren nicht. 

Die schwäbische Mentalität war mir ein Graus, vom Dialekt ganz zu schweigen. Gefühlt fehlte jeglicher Sinn für Humor und mit meiner relativ offenen und recht direkten Art bin ich entweder angeeckt oder wurde nur (fassungslos) angestarrt. Missverständnisse, Probleme oder sonstige negative Dinge wurden nicht direkt angesprochen (was ich jedoch bevorzuge), sondern totgeschwiegen - ganz nach dem Motto: das gehört sich doch nicht!

Zudem wurde mir nie ganz klar, weshalb man jedes Wort verniedlichen muss...Bähnle, Lädle, Mädle, Bombole (Bonbon), Krägele etc.. Von der Eigenart der kleinen und großen Kehrwoche ganz zu schweigen. Das "Wo" als Fragewort völlig zweckentfremdet werden kann, war mir bis dato auch nicht bewusst gewesen ("Das ist der Fußballer, der wo für Brasilien spielt."). Und Karneval war natürlich ein Fremdwort.

Die gegenseitige Antipathie ging dann sogar so weit, dass ich drei Wochen vor dem errechneten Geburtstermin des Mini Pfaus zu meinen Eltern fuhr, da ich auf keinen Fall wollte, dass der Mini Pfau Stuttgart als Geburtstort im Personalausweis stehen hat. Hat geklappt.
Nach 4 Jahren in Stuggi und 3 Monate nach Mini Pfaus Geburt sind wir dann ENDLICH zurück nach Köln gezogen.

...und am Samstag war es dann soweit: das erste Mal seit unserem Umzug ging es auf Stippvisite ins Ländle und was soll ich sagen? Stuggi, Du hast Dich von Deiner schönsten Seite gezeigt!
Der Himmel war blau, die Sonne schien, der Höhenpark Killesberg war/ist ein tolles Ausflugsziel und das Weißwurstfrühstück im Biergarten im Schlossgarten war wie immer sehr lecker. Es war ein rundum tolles Wochende! Auch wenn leider keine Zeit mehr für einen Besuch der Wilhelma blieb, denn dort ist es wirklich richtig schön.
 
Stuttgart Stuttgarter Schloß

Stuttgart Stuttgarter Schloß
 
Stuttgart Hauptbahnhof Stuttgart21

Stuttgart Königstraße Kunstmuseum Desigual

Stuttgart
 

 

 

...aber trotzdem bin ich froh, wieder zurück in Köln zu sein.


11 Kommentare

  1. Guten morgen liebe Frau Pfau, ersteinmal
    herzlichste sonnige grüße nach Köln.
    Dein Post ist erfrischend ehrlich, Deine Bilder wunderbar blau.
    Danke für die kurzweilige Unterhaltung auf diesem Blog, ich freue mich und folge Dir weiter.
    Iris

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  2. Ich bin ganz bei Dir. Stuttgart und ich , das geht nicht aus genau den von Dir aufgezählten Gründen. Ein kurzer Besuch mag ja gehen.......
    Gott sei Dank scheinen die vier Jahre keinen Schaden bei Dir hinterlassen zu haben ;)und der Minipfau wird es Dir danken !!!
    Gut das du was richtig gutes aus Stuttgart mitgenommen hast ( ♥ )....ich hab keine guten Erinnerungen.

    kölsche Grüße von
    Annette

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  3. Liebe Vanessa,

    vielen Dank für diese wunderbaren Bilder, bei denen ich ganz sentimental geworden bin... Auch beim lesen Deines sehr ehrlichen Beitrags konnte ich mich wiedererkennen, denn es gibt Städte mit denen kann ich so ganz und gar nicht. Stuttgart gehört aber nicht dazu, ganz im Gegenteil! Bei manchen Deiner Aufzählungen musste ich schmunzeln, denn da hast Du offensichtlich die krasse Schwaben-Ladung mitbekommen :-)
    Zwar bin ich keine gebürtige Stuttgarterin aber irgendwann hat mich der Job dahin befördert und - was soll ich sagen - es war Liebe auf den 1. Blick! Allerdings überwiegen auch die positiven Erinnerungen bei Weitem und Deine unschönen Erfahrungen kann ich glücklicherweise nicht teilen.

    Trotzdem, mit manchen Städten kann man, mit einigen eben nicht und ich finde es toll, dass Du Stuttgart wenigstens für ein Wochenende nochmal eine Chance gegeben hast. Ich bin da beispielsweise viel nachtragender!

    Ach ja, und falls Du nochmal hinwillst, vielleicht hilft Dir meine Liebeserklärung ein bisschen über Dein Stuttgart-Trauma hinweg (sie kann nämlich auch anders, die Schwabenmetropole):
    http://pfauenmaedchen.blogspot.de/2012/07/wenn-familie-p-nicht-zum-fernsehturm.html

    Allerliebste Grüsse ♥

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  4. Ich habe zwar Freunde in Stuttgart, aber kann zu der Stadt ansich und den Leuten wenig sagen. Meine Freunde sind aus dem Rheinland runter gezogen, also keine richtigen Schwaben :-) Aber das mit der Geburt kann ich nachvollziehen!! Wir überlegen gerade auch, ob wir statt Bergisch Gladbach dann doch ein Kölner Krankenhaus nehmen, damit wenigstens der Nachwuchs meine Wunsch-Geburtststatd im Pass stehen hat! :-) Aber "Schäbbisch Gläbbisch" und Köln is im Gegensatz zu Stuggi und Köln dann ja schon FAST eins. (Na wenn das jetz die falschen Leute lesen....:-) ). Ganz tolle Bilder und das Negative kommt da auch so gar nicht rüber. Das hast Du gut gemacht! :-) Hab eine tolle Woche, die Chaos- Queen

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  5. Wie nett - gleich zum Wochenstart ein so lustiger Post, herrlich! Eine Freundin musste beruflich zahlreiche Male umziehen. "Stuttgart" geht gar nicht, hieß es da und offenbar hat sie recht. Ihre Erfahrungen waren offenbar sehr ähnliche. Wobei ich zu gerne mal die Wilhelma besuchen würde :-)

    In jedem Fall scheint es dort schon richtig Frühling zu sehen, im Gegensatz zu hier.

    Liebe Grüße und einen tollen Wochenstart!

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  6. Hahaha, lustig, ich habe auch für 3 Jahre im "Ländle" gewohnt, noch mal 100km südlich von Stuttgart. Kann soo nachfühlen, was du da schreibst! Mit der Verniedlichung und dem "le" am Ende bin ich streckenweise ganz gut klargekommen, auch mit "Wasser- und Milchwecken", bei denen ich anfangs nicht wusste, was genau der Bäcker von mir wollte. Aber das "wo" als Relativpronomen stößt mir bis heute bitter auf (mein Mann kommt aus der Gegend und erzählt, es sei in Ordnung gewesen, diese seltsamen Relativsätze sogar im Aufsatz zu schreiben in der Schule!! Geht's noch?!). Am allerschlimmsten ist aber die Verlogenheit. Vorne rum wird nett gelächelt und hinter deinem Rücken sich das Maul (oder sollte ich besser schreiben: d'Gosch?) zerfetzt. Hach, nein, nicht gut. Wir leben jetzt wieder in meiner Heimatstadt Berlin. Da ist es doch wesentlich direkter und ehrlicher ;) Lieben Gruß

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  7. Hahaaaa, ich lach mich hier grad schimmelig! :-D Schon bei deinen Instagram Bildern dachte ich: OH GOTT, STUTTGART! Ohne zu wissen, dass du diesen Artikel schreibst. War vor zwei Jahren mal eine Woche wg. Studium da - es war FURCHTBAR! NIE WIEDER! Die Stadt (gut die Einkaufsstraße ist ganz nett, das wars aber auch) und ihre Bewohner sind ein GRÄUEL! Du könntest mir Geld geben, DA würd und könnt ich nicht hin! Als Rheinländerin by heart würd ich kaputt gehn! Also: Alles richtig gemacht, Liebschen, ...et Hätz vun d'r Welt, dat schläht in Kölle! ;-)

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  8. Liebe Vanessa,
    ich bin ja ein Nordlicht und werde es wohl auch immer bleiben. Beim lesen deiner Zeilen konnte ich es richtig nachfühlen, wie es dir ergangen ist *lach* Ich war noch nie in Stuttgart, auch nie Urlaub oder ähnliches. Und wenn ich hier auch die Kommentare so lese, wird das wohl auch so bleiben :-D Leben könnte ich da wohl erst recht nicht.
    Falls du Lust hast, würde ich dich auf meinen Blog einladen, damit du sehen kannst, wo und wie wir leben (Ist momentan aber nur mein P365 zu sehen. In einem Anflug von Wahn habe ich vor ca 2 Jahren alle Fotos gelöscht)
    Sonst kann ich mich nur den Worten von Iris (Sch-a-nell) anschließen ... Danke für das tolle Post!
    LG Manu

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  9. Hehe... ;) Sehr schöner Post!
    Und, das muss ich, wenngleich ein bisschen betreten, wohl oder übel einräumen: Deine Schilderungen entsprechen eins zu eins meinem Schwabenbild - das sich allerdings, im Gegensatz zu deinem, kaum aus eigenen Erlebnissen, sondern hauptsächlich aus allgemeine Klischees und Vorurteilen (aus Funk und Fernsehen) sowie aus den Berichten anderer speist. Leider. Oder vielleicht auch nicht leider? Jedenfalls überkommt mich dann gleichzeitig immer sofort das schlechte Gewissen, gepaart mit einem gewissen Mitleid. Denn so als Schwabe (und speziell als schwäbelnder Schwabe) hat man es in der Fremde, glaube ich, auch wirklich nicht leicht. Vielleicht ist das, was du dort erlebt hast, ja dann irgendwie sogar eine ganz natürliche Reaktion darauf...? Schoss mir eben so durch den Kopf.
    Deine Küchenbankaufhübschung gefiel mir übrigens auch sehr, vor allem das Holländerkissen (aus dem Stoff gabs doch schon mal eine Mini-Gretelies, oder irre ich mich?). Kleiner Themensprung, aber angesichts der doch recht fortgeschrittenen Uhrzeit habe ich mich jetzt mal für diese zeitsparende 2-in-1-Kommentar-Variante entschieden.
    Hab einen schönen Mittwoch!
    Alles Liebe, Naomi

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  10. soso, na dann hier mal offiziell Grüße aus dem Ländle ... wenn auch nicht ganz aus Stuttgart, sondern 90 km davor :-)
    aber ich muss Dir in manchen Dingen auch einfach recht geben ... ich bin vor 12 Jahren hierher gezogen und habe zum Glück kaum negative Erfahrungen gemacht ...
    hihi, aber Du hast mich richtig zum Schmunzeln gebracht ...
    meine Tochter gebraucht seit Neuestem ständig : "Heidenei" ;-)

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